Durch die Hölle und zurück. Part 2

Am Austragungsort angekommen fängt es langsam zu nieseln an. Ein warmer Sommertag, bei denen düstere Wolken aufziehen und man an dem speziellem Geruch in der Luft merkt, dass es bald zu stürmen anfängt. Währenddessen hole ich meine Startnummer ab, geh in die Umkleide, sehe überall verdreckte, voll durchtrainierte Männer und bin ein wenig eingeschüchtert. Wenn die hier so durchtrainiert sind, wie sieht es dann in einem Monat aus? Mittlerweile bin ich bereit, aber spüre meinen Schnupfen noch. Es gab keinen Zweifel daran, dass ich aufhören werde, auch wenn ich morgen im Sterbebett liege. Auf dem Startplatz angekommen, wird sich mit den Mitläufern aufgewärmt und in Stimmung gebracht. Die Animateurin hat uns leider nur halbwegs geschafft in Killer zu verwandeln, aber versucht hat sie es Der Moderator zählt runter, nur kann man ihn nicht wirklich verstehen, da die Boxen so weit weg sind und die Leute noch in Gesprächen abgelenkt sind. Für viele überraschend fällt auf einmal der Startschuss und von der Seite werden Feuerwerkskörper abgeschossen - für ein Dorf mit paar tausend Einwohnern recht eindrucksvoll - Die 5 Runden mit insgesamt 8 km haben gestartet und mein Plan für den Lauf: erste Runde locker anlaufen, die Hürden kennenlernen und sich dabei ordentlich aufwärmen. Nach und nach jede Runde ein wenig mehr Tempo anziehen, bis die letzte kommt und alles in die Waagschale geschmissen wird. Nach gut 100 Metern kommt das erste Hindernis. Eine gut 2,5 m hohe Wand, in denen in einigen Abständen 5 cm breite Fußhalterungen befestigt wurden. Mit der richtigen Technik ein sehr einfach Hindernis, das mit zwei Schritten überwunden werden kann. Das Problem hierbei nur, dass nur wenige gleichzeitig hinüberklettern können. So stand ich nach dem Start für 3 Minuten erstmal da und plauderte mit meinen Nebenleuten. Die Läufer an der vordersten Reihe hatten somit einen Riesenvorsprung zu mir, der sich in die Mitte gechillt hat. Egal, ich bin eh nicht hier um mit den Vordersten mitzulaufen (Einschub: der Gewinner brauchte für eine Runde 6 Min, ich durchschnittlich 10 Minuten pro Runde). Nach dem Hindernis war mein Körper immer noch nicht richtig warm und ich trabte weiter vor mit her. Das nächste Hindernis ließ sich auch nicht lange auf sich warten und bestand aus einem mit Moss bedecktem Berg. Der war gut 4 Meter hoch und ließ sich am besten mit einem kurzen Sprint und 4 großen Sprüngen bewältigen. Nach diesem Hindernis merkte ich schon, das mir die Luft ausging. Fuck und es ist noch nicht mal die erste Runde vorbei.
So passte ich mein Tempo wieder an, hörte auf meinem Atem und beruhigte ihn und meinen Körper in gutem Joggtempo. Das nächste Hindernis ist eins, auf das ich mich sehr gefreut hatte. Das Klettern über einem Gerüst, wie genau es heißt weiß ich jetzt nicht aber hier ist ein Foto davon.



Ich nenne es einfach die Affendisziplin. Während dem vorherigen Training habe ich gemerkt, dass mein Bizeps mir bei dieser Übung sehr hilft und deswegen die Gerüste mit Untergriff greifen werde. Ich ziehe mich leicht hoch, beanspruche Bizeps sowie Rücken und hänge mich in gutem Tempo rüber. So schnell, dass ich meinen Vordermann in den Rücken renne. Für die Leute, die das Hindernis nicht schaffen und runterfallen, wurde eine kleine Strafrunde mit Sandsäcken aufgebaut. Viele haben von vornerein gesagt, dass sie diese Disziplin gar nicht angehen werden und sind dann extra die Strafrunden gelaufen, weil sie diese viel einfacher empfanden. Mir war klar, dass ich die Affendisziplin jede Runde durchziehen werde. Die Hürde gemeistert und das nächste Klettern ist angesagt. Es wurden hier 3 Heuhaufen aufeinandergestapelt, die jeweils ca 1,5 m hoch waren.



Um keine Zeit zu verschwenden nahm ich wiederum anlauf und hiefte mich mit einem kleinen Stoß über den ersten Haufen. Die anderen beiden wurden einfach überklettert und mit einem Roller abgeschlossen. Ganz wie ein großartiger Ninja...

29.9.14 22:39, kommentieren

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Durch die Hölle und zurück. Part 1

Der 12.10. ist ein wichtiger Tag für mich und meine Kollegen. Ich habe ihn seit fast einem Jahr fett im Kalender unterstrichen und das wird körperlich die wohl größte Herausforderung, die wir uns in unserem bisherigen Leben stellen werden. An dem Tag findet ein 16 km langer Hindernisparkour an, der sich Tough Mudder nennt, bei dem übers Feuer gelaufen, im Eiswasser geschwommen und im Matsch gekrochen wird. Irgendwo sollen auch tausende Volte an frei hängenden Kabeln den Weg erschweren. Wir sind alle überdurchschnittlich gut trainiert, nur ist das nochmal ein ganz anderes Kaliber und sie wird unsere Grenzen komplett sprengen.

Zu diesem Anlass habe ich mich letzte Woche entschieden, an einer leichteren Version aus meiner Umgebung teilzunehmen: 8 km Lauf mit ein wenig klettern, steilige Wege hochlaufen und Heuberge erklimmen. Ich war der Meinung, dass ich für diese Light-Version ziemlich gut vorbereitet bin, doch wollte mir die böse Grippe ein Strich durch die Rechnung machen. Vor 3 Tagen wache ich auf einmal mit einer leichten Mandelentzündung auf und bin physisch sowie psychisch einfach nur platt. Ich wusste zu diesem Zeitpunkt, dass ich meinen Körper die drei Tage auf jeden Fall durch diesen Dreck durchziehen werde und dieser Organismus am Samstag an diesem verdammten Lauf teilnehmen wird. So verordnete ich mir mittags eine Ruhepause, die jedoch gegen Abend durch meine Arbeit unterbrochen wurde. Der Tag ging schleppend vorbei und es ist nicht besser geworden. Tags drauf legte ich wieder meine Ruhephase ein und nach dem Mittagsschlaf wurde es immer noch nicht besser. Hals tat weh, Kopf machte nicht wirklich mit und ich merke wie meine Kraft schwindet. Nur noch zwei Tage zum Lauf und an dem Tag wollte ich zur Vorbereitung 8 km mit Gewichten laufen gehen. Somit musste jetzt alles auf eine Karte gesetzt werden! Die Gewichte wurden im Zustand des Unwohlseins umgebunden und der Kadaver machte sich auf zum Laufen. Am Ende habe ich 4 km hinter mit gelassen, doch merkte wie meine Halsschmerzen langsam schwinden. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt! Ich kenne meinen Körper und wenn er leichte körperliche Grippeerscheinungen bekommt, mache ich einfach Sport und es wird komischerweise besser. Vermutlich schwitzt der Körper die Krankheiten einfach aus. Doch irgendwie bin ich immer noch nicht ganz auf der Höhe und fühle mich einfach platt, wo ich mich am liebsten nur hinlegen möchte, da jede Bewegung kein gutes Gefühl hinterlässt. Von außen sieht das aus wie der Tagesablauf eines Faultiers. Es wird viel geschlafen und wenn es mal sein muss, macht man sich die Mühe sich aufzurappeln, um etwas essbares aufzusuchen. Nun gut, dieses Gefühl kannte ich schon und es war noch viel intensiver während meiner Krankheitsphase in Südkorea. Ich erinnerte mich, einfach zwei Tabletten Paracetamol eingeschmissen zu haben und wie durch Zauber konnte ich am nächsten Tag wieder machen was ich wollte. So nahm ich vor der Arbeit eine Tablette Paracetamol und hoffte auf das Beste. Keine guten Voraussetzungen, um mich richtig auf das große Event einzustellen.

Am Lauftag verringerte sich alles auf einen kleinen Schnupfen, doch glücklicherweise spielte das Wetter gut mit und ich fühlte mich bereit mitzufighten. Frühstück check, Klamotten check und die Teilnahme ist gesichert. Nur blöd, dass das Wetter auf einmal umzukippen drohte. Ich hörte ein Brummen im Himmel. Sind das etwa Gewitterwolken? War das ein Donner das ich gerade gehört hatte? Es gab kein zurück mehr und mir war klar, dass der morgige Tag nach dem Erwachen ein schrecklicher sein wird...

21.9.14 03:20, kommentieren